Hochdruck


Hochdruck
Hoch|druck 〈m. 1; unz.〉
1. 〈Meteor.〉 hoher Luftdruck
2. 〈Tech.〉 Druck von Gasen u. Dämpfen über 100 bar bzw. 10 Pa
3. 〈Typ.〉 Druck(verfahren) mit erhabenen Lettern; Sy Buchdruck (2); →a. Flachdruck, Tiefdruck
4. 〈fig.; umg.〉
4.1 große Eile, viel Arbeit
4.2 Anspannung, Anstrengung aller Kräfte
● wir haben augenblicklich \Hochdruck (im Betrieb); mit \Hochdruck arbeiten

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1Hoch|druck, der:
1. <Pl. …drücke u. -e> (Physik) hoher 1Druck (1) in Flüssigkeiten od. Gasen.
2. <o. Pl.> (Med.) Kurzf. von Bluthochdruck.
3. <o. Pl.> (Meteorol.) hoher Luftdruck:
heute herrscht H. (Hochdruckwetter).
4. <o. Pl.> (ugs.) intensive Geschäftigkeit, Betriebsamkeit; Eile:
zurzeit herrscht H.;
mit/unter H. (ugs.; intensiv u. mit großer Eile: unter H. arbeiten).
2Hoch|druck, der <Pl. -e>:
1. <o. Pl.> Druckverfahren, bei dem die druckenden Teile der Druckform höher liegen als die nicht druckenden (z. B. Buchdruck).
2. im Hochdruckverfahren hergestelltes Erzeugnis.

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Hochdruck,
 
1) grafische Technik: Bezeichnung für Druckverfahren, bei denen die druckenden Elemente der Druckform höher liegen als die nicht druckenden. Die druckenden Stellen erhalten vor dem Druckvorgang Farbe, und nur sie gelangen mit dem Bedruckstoff in Kontakt, wobei die Farbübertragung erfolgt. Zu den Hochdruckverfahren zählen der Buchdruck als ältestes und bekannteste Verfahren, der Flexodruck und das Letterset.
 
 2) Medizin: arteriẹller Hochdruck, Bluthochdruck, Hypertonie, Steigerung des arteriellen Blutdrucks auf oder über den altersgemäßen Wert (Blutdruck) beziehungsweise auf oder über die von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Grenzwerte von 160 mmHg (213 hPa) systolisch und 95 mmHg (127 hPa) diastolisch. Der beobachtungsbedürftige Grenzbereich liegt systolisch zwischen 140 mmHg (186 hPa) und 160 mmHg (213 hPa), diastolisch zwischen 90 mmHg (120 hPa) und 95 mmHg (127 hPa). Beim labilen Hochdruck liegt eine schwankende, von normalen Werten unterbrochene Überhöhung vor.
 
Zu meist vorübergehendem Hochdruck kann es u. a. bei Stress, psychischer Erregung, unter Genussmitteleinfluss (z. B. Koffein, Nikotin), als Nebenwirkung von Arzneimitteln, auch Ovulationshemmern, durch Vergiftungen (z. B. durch Blei, Thallium), Funktionsstörungen des Herzens und bei Schwangerschaftskomplikationen (Eklampsie) kommen. Ebenso bewirken Erkrankungen des Nervensystems wie Gehirnentzündung, Polyneuritis, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Gehirntumoren oder -verletzungen teils eine Störung des Blutdruckregulationsmechanismus (neurogener Hochdruck), u. a. durch Beeinträchtigung des blutdruckdämpfenden Depressorenzentrums der Medulla oblongata (»Entzügelungshochdruck«).
 
Die Hochdruckkrankheit (dauerhafter Hochdruck), die ohne Behandlung zu schwerwiegenden Gefäß- und Organschädigungen führt, gehört in den Industrienationen zu den häufigsten Erkrankungen; von ihr sind in Deutschland etwa 15 % der Bevölkerung betroffen (bei der Altersgruppe über 45 Jahren nach Schätzungen mehr als 25 %). Sie ist ein Hauptrisikofaktor der Arteriosklerose und birgt ein dem Schweregrad entsprechend vielfach erhöhtes Sterberisiko.
 
 
Nach der Ursache wird zwischen primärem (essenziellem, genuinem, idiopathischem) Hochdruck und sekundärem (symptomatischem) Hochdruck unterschieden. Der primäre Hochdruck, dessen Ursachen weitgehend unbekannt sind, ist mit 70-80 % der Fälle die häufigste Form. Sie tritt familiär gehäuft auf; neben der erblichen Disposition gehören v. a. Ernährung (fette, kochsalzreiche Nahrung), Übergewicht, Nikotinmissbrauch und Stress zu den Risikofaktoren. Sie sind ursächlich an der Störung im Regelkreis des Blutdrucks beteiligt, die dem Hochdruck zugrunde liegt.
 
Der sekundäre Hochdruck ist Symptom einer bekannten Grundkrankheit. Der häufige renale Hochdruck geht v. a. auf gefäßbedingte (renovaskuläre) Störungen wie Nierenarterienverengung, Thrombose oder Embolie, arteriovenöse Fisteln, Senkniere mit Gefäßdrosselung oder verletzungsbedingte Blutergüsse zurück, die zu Drosselungshochdruck führen; weitere Ursachen sind die chronische Nierenentzündung (Glomerulonephritis, Pyelonephritis, interstitielle Nephritis bei Gicht oder Analgetikamissbrauch), Allgemeinerkrankungen, welche die Niere betreffen (z. B. Diabetes mellitus, Amyloidose), Nierentumoren, Nierensteine oder Harnabflussstörungen. Der seltene endokrine Hochdruck wird durch Erkrankungen von Drüsen mit innerer Sekretion wie Cushing-Syndrom, Conn-Syndrom (primärer Aldosteronismus), Phäochromozytom und Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) hervorgerufen. Der kardiovaskuläre Hochdruck ist Folge von Erkrankungen des Herzens oder der Blutgefäße, die wie die hochgradige Bradykardie (z. B. bei Herzblock) zu vorübergehendem oder wie Aortenisthmusstenose und Arteriosklerose (»Altershochdruck«) zu dauerndem Hochdruck führen.
 
Eine wesentliche Rolle spielen bei der Entstehung des Hochdrucks gefäßaktivierende Substanzen wie das Neurohormon Serotonin oder das Zusammenwirken von Renin, Angiotensin und Aldosteron.
 
Symptome, Verlauf:
 
Die Beschwerden beim Hochdruck, die häufig erst spät als Folge von Organschäden auftreten, bestehen v. a. in Kopfdruck, Kopfschmerzen (besonders morgens im Hinterkopf), Schwindelgefühl, Ohrensausen, Sehstörungen, Atemnot bei körperlicher Belastung, Blutandrang zum Kopf, Nasenbluten, Herzklopfen, innerer Unruhe, Depressionen, Gedächtnis- und Schlafstörungen, leichter Ermüdbarkeit; bei sekundärem Hochdruck treten die im Gefolge organischer Erkrankungen stehenden Symptome meist vor den hochdruckbedingten auf.
 
Der primäre Hochdruck wird in der Regel im mittleren Lebensalter manifest (vorausgehen kann ein Grenzwerthochdruck), der sekundäre auch vor dem 30. oder nach dem 50. Lebensjahr. Im Frühstadium besteht eine funktionelle, später eine organisch bedingte Engstellung der Gefäße, die eine Erhöhung des peripheren Gefäßwiderstandes bewirkt. Sie führt zu einer kompensatorischen Herzmuskelvergrößerung der linken Herzhälfte (Herzhypertrophie), Herzerweiterung und schließlich zu Herzinsuffizienz. Die Krankheit verläuft über zwei bis drei Jahrzehnte und begünstigt durch Überbeanspruchung der Blutgefäße (v. a. der Arteriolen) eine allgemeine Arteriosklerose, deren Hauptgefahren in einer Schädigung von Herz, Nieren und Gehirn liegen. Überwiegende Todesursache ist die Herzmuskel- oder Koronarinsuffizienz durch Blutzirkulationsstörungen oder Herzinfarkt. Krisenhafte Blutdrucksteigerungen können durch akute Linksherzinsuffizienz zum Lungenödem führen. Eine weitere Komplikation sind Aortenaneurysmen. Etwa 20 % der Todesfälle werden durch Massenblutungen im Gehirn, Schlaganfälle, Hirninfarkte und Hirndurchblutungsstörungen infolge Gefäßverengung (zerebrale Ischämie) verursacht; Letztere führen auch zu frühzeitigen Hirnschäden mit geistigen Abbauerscheinungen. Nierenschädigungen treten v. a. in Gestalt einer arteriosklerotischen Nierenarterienverengung, die wiederum eine Verschlimmerung des Hochdrucks bewirkt, und der Ausbildung einer Schrumpfniere mit im Endstadium tödlicher Niereninsuffizienz auf. Diagnostisch bedeutsam sind Veränderungen des Augenhintergrundes (Fundus hypertonicus), die in fortgeschrittenem Stadium die Sehstörungen verursachen.
 
Eine besondere Verlaufsform stellt der seltene maligne Hochdruck dar, der durch eine Erhöhung des diastolischen Blutdrucks über 120 mmHg (160 hPa) gekennzeichnet ist und v. a. beim endokrinen Hochdruck auftritt. Er ist durch einen akuten Verlauf mit anfallartigen Beschwerden und frühzeitigen starken Organ-(v. a. Nieren-)Schäden gekennzeichnet und therapeutisch schwerer beeinflussbar.
 
Die Behandlung eines Hochdrucks ist - der komplexen Blutdruckregulation entsprechend - mit zahlreichen, sehr unterschiedlich wirkenden Substanzen (blutdrucksenkende Mittel) möglich. Besonders geeignet sind davon Diuretika, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer oder Betarezeptorenblocker. Wichtig sind langfristige Kontrolluntersuchungen. Beim sekundären Hochdruck steht die (gegebenenfalls operative) Therapie der Grundkrankheit im Mittelpunkt. Wesentlich sind außerdem eine geregelte Lebensführung mit Vermeidung körperlicher und psychischer Belastung, Einstellen des Rauchens, eine verstärkte körperliche Betätigung, diätetische Maßnahmen (flüssigkeits- und salzarme Kost) und Gewichtsreduktion bei Übergewichtigen.
 
 
J. Rosenthal: Bluthochdruck (1984);
 
Arterielle Hypertonie, hg. v. J. Rosenthal: (1986);
 G. Leibold: Risiko Bluthochdruck (1988);
 H.-D. Faulhaber: Hoher Blutdruck (1994).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Blutdruckregulation und Bluthochdruck
 
 3) Physik und Technik: Bezeichnung für Drücke zwischen etwa 50 bar (= 5 MPa) und 1 kbar (= 100 MPa); über 1 kbar spricht man auch von Höchstdruck. Unter extrem hohen Drücken weichen die physikalischen Eigenschaften der Materie erheblich von denen bei Normaldruck ab. Bei Mineralen entstehen z. B. verschiedene Hochdruckmodifikationen, beim Wasserstoff erfolgt der Übergang vom molekularen zum metallischen Zustand. Untersuchungen dazu werden in der Hochdruckphysik durchgeführt. In der Hochdruckchemie werden Verfahren eingesetzt, bei denen die Reaktionspartner nur unter entsprechend hohen Drücken chemisch reagieren können.
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Blutdruckregulation und Bluthochdruck
 

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1Hoch|druck, der <o. Pl.>: 1. (Physik) hoher 1Druck (1) in Flüssigkeiten od. Gasen: in dem Behälter wurde ein H. hergestellt. 2. (Med.) kurz für ↑Bluthochdruck: an H. leiden. 3. (Met.) hoher Luftdruck: heute herrscht H. (Hochdruckwetter). 4. (ugs.) intensive Geschäftigkeit, Betriebsamkeit; Eile: zurzeit herrscht H.; *mit/unter H. (ugs.; intensiv u. mit großer Eile): die Angelegenheit wurde mit H. betrieben; unter H. arbeiten.
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2Hoch|druck, der: 1. <o. Pl.> Druckverfahren, bei dem die druckenden Teile der Druckform höher liegen als die nicht druckenden (z. B. Buchdruck): Technisch gliedert sich die Druckgraphik in drei große Gruppen: den H. ..., den Tiefdruck ... und den Flachdruck (Bild. Kunst III, 77). 2. <Pl. -e> im Hochdruckverfahren hergestelltes Erzeugnis.

Universal-Lexikon. 2012.

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